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Interview mit Dominique Winter

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Interview Dominique Winter

In diesem Interview erzählt uns Product Development Coach Dominique Winter seine Tipps, Erfahrungen und Erkenntnisse.

Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du, was machst du und wie bist du Product Development Coach geworden?

Dominique Winter

Mein Name ist Dominique Winter und ich habe viele Jahre als Product Owner gearbeitet. Dabei hat sich meine Rolle im Laufe der Jahre immer weiter verändert.

Zu Beginn musste ich als PO die Anforderungen schreiben, die Interaktion konzipieren und sogar die Qualitätssicherung durchführen. Im nächsten Unternehmen hatten wir dann eine Testabteilung (mit allen Vor- und Nachteilen) und im darauffolgenden Unternehmen musste ich auch die Konzeption nicht mehr selber machen. Endlich konnte ich mich auf die Maximierung des Wertes konzentrieren.

Irgendwann hatte ich dann auch endlich jemanden für UX im Team, so dass sich das Team um die Umsetzung komplett selbstständig kümmern konnte. In diesem Werdegang habe ich mich weiterentwickelt und in verschiedene Ausprägungen der PO-Rolle hineingefunden. 

Neben der Arbeit habe ich noch eine Dissertation begonnen und mich mit dem Thema UX-Kompetenz von Organisation beschäftigt. Irgendwie bin ich darüber auch in die Organisationsentwicklung und damit die Rolle des Product Development Coaches hineingerutscht.

Heute ist mein Schwerpunkt die Entwicklung der Organisation mit dem Fokus auf erlebnisreiche Produkte. Ich unterstütze Product Owner in ihre Rolle hineinzufinden und sich weiterzuentwickeln und helfe gleichzeitig der Organisation den notwendigen Handlungsrahmen zu etablieren. Agilität ist dabei ein Teil aber nicht alles.

Was war deine bisher größte Herausforderung als Product Development Coach und wie hast du sie gemeistert?

Es gibt eine grundlegende Differenz zwischen den Denkarten “Liefern” und “Gestalten”. Das zeigt sich auch bereits in den unterschiedlichen Ausgestaltungen der Product Owner Rolle in Unternehmen. Eigentlich brauchen wir aber beide Einstellungen. Mal müssen wir kreativ denken und ein Produkt gestalten und dann gibt es Phasen diese Ideen und Gestaltungen auch in die Realität umzusetzen.

Dieser ständige Wechsel ist aber in zweierlei Hinsicht schwer. Product Owner müssen ein Gespür dafür entwickeln, welche Denkart gerade benötigt wird und die anderen Organisationsmitglieder müssen verstehen, welche Denkart gerade gelebt werden soll. Hier entstehen im Alltag schnell verschiedene Ansichten und Missverständnisse sind vorprogrammiert.

Ich habe dies bisher noch nicht gemeistert. Es gibt da auch keine universelle Lösung. In der Regel versuche ich dann die Denkart transparent zu machen. Menschen zusammenbringen und Erwartungshaltungen und Bedürfnisse transparent machen hilft meist recht gut. Ob ich das schon meistern nennen will? Eigentlich nicht, aber es hat sich in meiner Praxis bewährt.

Was hast du für dich persönlich in deiner Rolle als Product Development Coach gelernt?

Organisationen sind eine Ansammlung von Systemen (im soziologischen Sinne) und folgen damit bestimmten Regeln. Steigt beispielsweise die Komplexität in einem System auf ein zu großes Maß, so baut das System diese Komplexität ab, indem Subsysteme gebildet werden. Das ist ein ganz natürlicher Prozess. Systeme müssen dann aber miteinander in einen geregelten Austausch gehen, was manchmal nicht so einfach geht. Außerdem hat jedes System eine andere Geschwindigkeit.

Wie oft wird sich zum Beispiel darüber beschwert, dass die oberste Führungsetage sich nicht auf schnell auf eine wichtige Änderung einlässt. Dabei ist das gleichzeitig eine wichtige Eigenschaft. Man stelle sich vor, dass die Geschäftsführung jede Woche in eine andere Richtung will. Ein langsames System erzeugt damit auch Verlässlichkeit. Man kann sich auf eine Entscheidung verlassen, auch wenn sie vielleicht von einem selbst erst einmal nicht begrüßt wird, aber es ist eine Entscheidung.

Daher sollten gerade Coaches und Organisationsentwickler ein paar dieser Grundgesetze von Organisationen verinnerlichen und damit arbeiten.

Welche Tools und Werkzeuge benutzt du regelmäßig für deine Arbeit als Product Development Coach?

Mein wichtigstes Instrument ist das Gespräch. Im vertrauensvollen 1:1 erfahre ich am meisten darüber, wie es den Organisationsmitgliedern wirklich geht. Natürlich nutze ich auch Teambefragungen und Workshops. Wenn ich allerdings eine Idee der Handlungsmöglichkeiten erhalten will, brauche ich Gespräche. Diese stehen weit vor irgendwelchen anderen Techniken wie User Story Mapping, Impact Mapping, Visionsentwicklung, usw., da diese mir nur helfen die Arbeit einer Gruppe zu kanalisieren. 

Für Workshops und andere Gruppenübungen greife ich auf viele verschiedene Techniken zurück. Hier bin ich aber pragmatisch und entwickeln mir auch eigene Tools, abhängig von Situation und Teamgefüge. Standardisierte Instrumente muss ich meist sowieso anpassen und so kann es bei mir auch schon einmal sein, dass eine Technik soweit verändert wird, dass sie kaum noch zu erkennen ist. Wichtig ist nur die Wirkung am Ende.

Welche Bücher, Podcasts oder andere Ressourcen haben dich beeinflusst?

In erster Linie hat mich die agile Community geprägt. Zwar habe ich viele Bücher gelesen und auch einiges an Podcasts und Hörbücher verschlungen, aber tatsächlich waren es vor allem Lean Coffees (z.B. der Lean Coffee für Product Owner in Köln) und Scrumtische sowie diverse Barcamps (z.B. die Agile Cologne) rund um Agilität, die mich geprägt haben. Das kann ich auch allen Menschen empfehlen, denn der Austausch mit seinesgleichen hilft bei der Reflexion und der Erweiterung seines Horizonts.

Welche 3 Tipps kannst du Scrum Mastern mit auf den Weg geben?

Das wichtigste ist die Klärung des Auftrags bzw. des Mandats. Direkt danach kommt für mich zu klären, woran man erkennt, dass man als Scrum Master erfolgreich arbeitet und als drittes nicht gegen die Organisation anzukämpfen.

Die Auftragsklärung hilft mit allen Beteiligten zu vereinbaren, welche Aufgaben man als Scrum Master eigentlich annehmen soll. Ich beobachte immer wieder Scrum Master, die sehr viel versuchen und gegen Widerstände laufen. Sie meinen es gut aber vielleicht braucht oder wünscht ein Team oder eine Organisation diese Änderung gerade nicht. Es ist in Ordnung sich selber zurück zu nehmen und im Zweifelsfall etwas Zeit für Weiterentwicklung zu haben. Man muss nicht unbedingt die nächste Änderung hervorzurufen, nur damit man was zu tun hat.

Viele Scrum Master haben ein Problem ihren Arbeitserfolg zu kommunizieren. Ich bin davon überzeugt, dass man mit allen Beteiligten sprechen sollte und die Erwartungshaltungen abfragen kann, indem danach gefragt wird, woran man den Arbeitserfolg erkennt. Das können dann auch ruhig schwammige Sachen sein (z.B. bessere Teamstimmung). Oft findet sich aber auch für solche schwammigen Sachen Messinstrumente (z.B. Fragebögen). Eine solche Überprüfung hilft auch zur Selbstreflexion. 

Als letzten Tipp: Versucht nicht gegen die Widerstände der Organisation anzukämpfen. Es gibt gute Gründe, warum Veränderungen Zeit brauchen. Immerhin würde eine sich schnell verändernde Organisation viel Unsicherheit erzeugen. Und wir allen brauchen Sicherheit. Daher lautet die Devise sich auch mal Zeit zu nehmen und wenn man merkt, dass die Organisation bestimmte Veränderungen gerade nicht will, einfach später noch einmal probieren und mit wichtigen Promotoren über theoretische Ideen sprechen. Vielleicht bleibt irgendwo etwas hängen und zum richtigen Zeitpunkt kommt die Veränderung fast von selbst.

Was würdest du deinem früheren Ich zu Beginn als Product Development Coach mit auf den Weg geben?

Ich bin mit meinen Erfahrungen zufrieden, da sie mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin. Daher würde ich es tunlichst vermeiden, meinem früheren Ich irgendetwas zu sagen. 🙂

In welche Richtung würdest du dich gern weiterentwickeln?

Ich habe mich bisher sehr damit beschäftigt wie ein Team und eine Organisation gut zusammenarbeiten kann. Die Ebene des Individuums finde ich aber auch recht spannend. Vielleicht vertiefe ich mich hier in nächster Zeit.

Wo stehst du in deiner agile Journey?

Um dich als Scrum Master zu verbessern, musst du wissen wo du stehst.

Mit dem Scrum Master Journal verschaffst du dir einen Überblick über deine aktuellen Skills und Fähigkeiten. Du identifizierst deine persönlichen Maßnahmen zur Weiterentwicklung, um deine Fähigkeiten als Scrum Master auf das nächste Level zu bringen.

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Wo kann man mehr über dich erfahren?

Ich bin recht umtriebig und auf verschiedenen Veranstaltungen in Deutschland kann man mich treffen. Ich blogge unter www.designik.de aus meiner Erfahrung und gemeinsam mit Tim Klein und Oliver Winter produziere ich den Podcast der Produktwerker (www.produktwerker.de), in dem wir über viele Themen rund um die Rolle des Product Owners reden und interessante Gäste einladen.

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