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Interview mit Daniel Konrad

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Interview mit Daniel Konrad

In diesem Interview teilt Agile Coach Daniel Konrad seine Erfahrungen, Herausforderungen und Tipps für Scrum Master. In Konrads Management-Kolumne auf t3n schreibt er regelmäßig zu den Themen Agilität und Digital Leadership.

Stell dich bitte kurz vor: Wer bist du, was machst du und wie bist du Agile Coach geworden?

Hallo Lutz. Ich bin Daniel Konrad und arbeite als Scrum Master und Agile Coach in einer IT-Management-Beratung.

Ich habe mich vom Kommunikationsberater zum agilen Transformationsgestalter entwickelt. Der Weg, den ich zum Agile Coach gegangen bin, ist eher ungewöhnlich, da ich keinen klassischen Hintergrund als Softwareentwickler habe.

Daniel Konrad

Angefangen habe ich in der Kommunikationsberatung, wo ich Unternehmen bei Change-Management und Kulturwandel begleitet habe. Über die Unternehmenskultur kam ich zur Bedeutung von Mindset und kollaborativen Arbeitsformen. Ich habe dann eine Scrum Master Schulung gemacht. Parallel entwickelte sich die Nachfrage nach agilen Projekten von Kunden, und ich habe sie als externer Scrum Master unterstützt. In dieser Zeit habe ich angefangen, über meine Erfahrungen zu den Themen Agilität und Digital Leadership bei Konrads Management Kolumne auf t3n zu schreiben.

In meinen Projekten habe ich agile Teams beraten und hatte immer öfter die Rolle des Agile Coach inne. Mich hat zunehmend das Thema Digitale Transformation und der Bezug zu Agilität interessiert. Als ich dann ins Management Consulting gewechselt bin, kamen für mich Projekte zu Digitaler und Agiler Transformation, IT Management und IT-Strategie dazu. Ich coache agile Teams und Unternehmen beispielsweise bei der Einführung agiler Methoden. Denn ich bin davon überzeugt, dass es bei der digitalen Transformation immer auch auf eine agile Transformation des Unternehmens ankommt.

Was war deine bisher größte Herausforderung als Agile Coach und wie hast du sie gemeistert?

Eine Kernherausforderung ist an vielen Stellen das agile Mindset. Ich erinnere mich an einen Workshop mit einer größeren Gruppe von Ingenieuren. Diese Ingenieure kamen aus der „alten Welt“ und taten sich schwer mit Iterationen und agilen Frameworks. Meine Aufgabe war es, die Gruppe zu sensibilisieren und das Thema Mindset in den Blick zu nehmen.

Ich habe mich für eine Marshmallow Challenge entschieden. Dazu braucht jeweils eine Gruppe von 4-6 Teilnehmern neben einem Tisch, 20 (ungekochte) Spaghetti, Bindfaden, Kreppband oder Paketband, eine Schere und natürlich ein Marshmallow. Die Aufgabe an die Gruppe: Baut in den nächsten 18 Minuten den höchsten freistehenden Turm. Im Folgenden sieht man dann den Unterschied zwischen Wasserfall-Ansatz und dem agilen Vorgehen.

  • Eine Gruppe baute den Turm und setzte nach ca. 14 Minuten das Marshmallow auf die Spitze. Da die Gruppe dessen Gewicht kaum einschätzen konnte, brach der Turm in sich zusammen. Aus den Resten wurde ein Türmchen mit 25 cm.
  • Das Experiment ist weit verbreitet und wurde beispielsweise auch mit Kindergartenkindern durchgeführt. Sie setzten den Marshmallow nach ca. 6 Minuten zum ersten Mal auf den Turm und bauten dann schrittweise weiter. Die Turmhöhe der Kinder erreichte bis zu 75 cm.   

Der Erfolg lag darin, dass die Ingenieure ihre Ergebnisse reflektierten. Sie haben den Sinn von Prototypen verstanden und wurden offener für eine iterative Vorgehensweise.

Was hast du für dich persönlich in deiner Rolle als Agile Coach gelernt?

Mein Verständnis von Erfolg hat sich weiterentwickelt – da habe ich dazugelernt. Früher wäre für mich ein Erfolg gewesen, wenn ich von außen ein Impediment gefixt und für ein Team aus dem Weg geräumt hätte. Heute steht für mich das Team und seine Entwicklung im Mittelpunkt. Wenn das Team in geschützter Umgebung einen Fehler macht und daraus gemeinsam als Team lernen kann – dann ist das für mich als Agile Coach heute ein Erfolg.

Welche Tools und Werkzeuge benutzt du regelmäßig für deine Arbeit als Agile Coach?

In meiner täglichen Arbeit nutze ich häufig Jira oder Trello. Wichtiger als Tools und Technologie ist aber die Arbeit mit den Teams und die Visualisierung an Flipcharts. Als Agile Coach begleite ich Scrum Master, Product Owner, agile Manager und Sponsoren des Projekts und führe bspw. Einzelcoachings und Gruppeninterventionen durch.

Welche Bücher, Podcasts oder andere Ressourcen haben dich beeinflusst?

Ich würde gerne zwei Bücher empfehlen, die mich besonders geprägt haben.

In Drive schreibt der amerikanische Schriftsteller Daniel Pink darüber, was Menschen motiviert. Das Buch ist sehr herausfordernd und bricht mit vielen gängigen Incentivierungen, die heute noch in vielen Unternehmen angewendet werden. Seine Gedanken zu Autonomy, Mastery und Purpose sind wichtig für selbstorganisierte Teams und die agile Welt.

Während Konformisten häufig etablierten Strängen und eingefahrenen Gleisen folgen, weisen Querdenker den Status quo zurück und setzen auf neue Ideen, die dem Gewohnten widersprechen. Die sich wiederholende Geschichte dieses Phänomens schildert der Organisationspsychologe Adam Grant in seinem Buch Nonkonformisten – warum Originalität die Welt bewegt. Die agile Transformation braucht Menschen, die querdenken und neue Wege gehen.

Welche 3 praktischen Tipps empfiehlst du Scrum Mastern?

  1. Stelle offene Fragen und setze dich immer für den Erfolg des Teams ein.
  2. Lass dich auf Barcamps, Fuckup Nights und agilen Treffen inspirieren und teile deine Erlebnisse.
  3. Suche dir andere Agilisten und vernetze dich mit ihnen.

Was würdest du deinem früheren Ich zu Beginn als Scrum Master mit auf den Weg geben?

Stay curious – es gibt noch viel auf deiner Agile Journey zu entdecken.

In welche Richtung würdest du dich gern weiterentwickeln?

Grundsätzlich möchte ich als Agile Coach auf meiner agile Journey wachsen. Speziell möchte ich meine Fähigkeiten im Facilitating weiter vertiefen. Dabei denke ich an die Themen OKR und Lego Serious Play.

Wo stehst du in deiner agile Journey?

Um dich als Scrum Master zu verbessern, musst du wissen wo du stehst.

Mit dem Scrum Master Journal verschaffst du dir einen Überblick über deine aktuellen Skills und Fähigkeiten. Du identifizierst deine persönlichen Maßnahmen zur Weiterentwicklung, um deine Fähigkeiten als Scrum Master auf das nächste Level zu bringen.

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Wo kann man mehr über dich erfahren?

Seit mehr als 3 Jahren schreibe ich für Konrads Management Kolumne bei t3n zu Themen rund um Digital Leadership und Agilität. Außerdem bin ich regelmäßig bei Barcamps und agilen Treffen im Raum Frankfurt. Und natürlich bei LinkedInXING und Twitter.

 

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